SCHULD! SEID! IHR!

"Spannender Rache-Thriller, der mit einem furiosen Schlussakt endet."

Thalia Buchhandlung Mannheim

"Spannend, psychologisch ausgefeilt, dramatisch und mitreißend."

Alex121274, Lovelybooks

"Für mich ist der Thriller ein absolutes Sommer-Highlight geworden."

HAMAMELIS1405, Lesejury

Michael Thode Thriller Autor.JPG

"Das Gefühl, eine gute und funktionierende Geschichte geschrieben zu haben, gleicht reinster Euphorie.

Dieses Gefühl möchte ich immer wieder haben - und das ist ein echter Motivator."

Michael Thode

Leseprobe

Prolog zu SCHULD! SEID! IHR!

 

Vierhöfen, 22 Jahre zuvor

 

Er konnte Liv zwar nicht hören, aber er sah sie: Sie stand in einem weißen T-Shirt und einer engen Jeans in der Stahltür zur großen Werkstatt und winkte ihm zu.

Sein Herz schlug vor Freude heftig. Er schaltete die Holzfräse und die Staubabsaugung aus und nahm die Ohrenschützer ab. Doch statt Liv entgegenzustürmen, klopfte er sich unsicher die Holzspäne von den Ärmeln seiner Jacke ab. Liv schien sich nicht daran zu stören. Sie schloss die Tür hinter sich und kam strahlend auf ihn zu. „Wow, ich hätte gar nicht erwartet, dass euer Betrieb so groß ist! Und der Geruch! Ich liebe Holz!“, rief sie begeistert. „Mein Vater hat das alles in den letzten zwei Jahrzehnten aufgebaut“, erwiderte er und schluckte schwer. Liv legte den Kopf schräg und sah ihn an. „Ich bin hier schon oft vorbeigefahren. Hätte ich gewusst, dass du hier wohnst, dann …“ Die offensichtliche Bewunderung half ihm, seiner Anspannung etwas entgegenzusetzen. Er lehnte sich gegen die Holzfräse und kreuzte die Arme vor seiner Brust. „Was dann?“, frage er mit neckischem Grinsen.

 

„Ähm … dann … na ja.“ Zuerst zuckte sie mit den Schultern, dann begann sie zu lachen. „Keine Ahnung. Sag du es mir!“
Er ging zu ihr und nahm sie in den Arm. Er war unsicher, ob er sie küssen sollte, doch darum musste er sich keine weiteren Gedanken machen. Sie presste ihre Lippen so fest auf seine, dass er beinahe vergaß zu atmen.

 

„Die ganze Woche ohne dich habe ich kaum ausgehalten“, sagte sie, als sie sich voneinander lösten. „Ging mir genauso, aber du weißt ja. Mein Vater …“ „Das ist jetzt egal, jetzt bin ich ja hier ...“ Liv schaute ihn mit einem übermütigen Blitzen in den Augen an.

 

Ihm schoss das Blut ins Gesicht. Sie hat recht!, dachte er gleichzeitig. Sein Vater konnte ihm in diesem Augenblick völlig egal sein!
Er räusperte sich und deutete mit einer einladenden Armbewegung durch die Werkstatt.

 

„Darf ich dir mein kleines Reich zeigen?“
„Nichts lieber als das!“ Auf Livs Gesicht lag das breite Lächeln, in das er sich bei der ersten Begegnung schlagartig verliebt hatte. Am vergangenen Wochenende hatten sie zum ersten Mal miteinander geschlafen, und am liebsten hätte er es sofort wiederholt. Hier und jetzt! Er wollte aber nichts überstürzen und führte sie erst einmal durch die Werkstatt. Er nahm wahr, dass sie sich für ihn und seine Arbeit wie noch kein anderer Mensch bisher interessierte. Er saugte diese bedingungslose Zuneigung auf wie ein Schwamm. Als er seine Erklärungen beendet hatte, ging er zu einer der Werkbänke und holte eine Holzfigur, die etwa zwei Handteller groß war. „Das habe ich für dich gemacht!“, sagte er und gab sie ihr.

 

Liv strich ungläubig über das Holz. Es war pechschwarz und fein gemasert. Dabei war sie so vorsichtig, als könne es jederzeit zerbrechen. Schließlich murmelte sie: „Ein vierblättriges Kleeblatt.“ „Das soll dir Glück für deine Abiturprüfungen bringen.“ Sie hielt inne und rang nach Worten. Liv wollte gerade auf ihn zu gehen und ihn umarmen, als die Stille jäh unterbrochen wurde.

„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch!“, schallte eine Männerstimme barsch aus Richtung der Stahltür. Er fuhr herum. „Vater? Ich dachte, du …“ „Der Transporter hat Kühlflüssigkeit verloren, also musste ich umkehren.“ „Das ist …“

Sein Vater kam näher und gestikulierte dabei wütend mit den Armen. „Warum laufen die Maschinen nicht?“ „Ich … ähm … ich mache gerade eine Pause.“ „Du bist also der Meinung, dass du dir das leisten kannst?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, setzte sein Vater nach. „Ich will den Kunden nicht erklären müssen, dass du schon wieder einen Termin vermasselt hast!“

 

Was sollte er jetzt machen? Eine aussichtlose Diskussion mit seinem Vater führen, die doch nur in Streit und maßlosen Demütigungen gegen ihn endete? Liv bitten zu gehen? – Und damit riskieren, dass ihre Beziehung endete, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte? Gemeinsam mit Liv die Tischlerei verlassen? Vielleicht für immer?

 

Seine Gedanken überschlugen sich. Er sah, wie Ablehnung und Härte die Augen seines Vaters endgültig verdunkelten. Ihm blieb keine Zeit, weiter nachzudenken. Er musste eine Entscheidung treffen, doch er war unfähig auch nur ein Wort über die Lippen zu bringen.

 

In diesem Moment ging Liv auf seinen Vater zu und streckte ihm ihre Hand entgegen: „Hallo! Ich bin Liv!“ Der blickte sie grimmig an und kratzte sich an der Wange. Sie hielt es durch, ihre Hand nicht zurückzunehmen. Endlich erwiderte sein Vater den Gruß. Auch er gab ihr die Hand, jedoch ohne sich vorzustellen. Stattdessen hob er das Kinn und wies damit auf Livs andere Hand. Darin hielt sie das hölzerne Kleeblatt.

 

„Hat er das gemacht?“ Liv blickte unsicher auf den Glücksbringer. Sie setzte gerade zu einer Antwort an, als er ihr zuvorkam. „Ja, das habe ich gemacht.“ „Darf ich?“ Ohne Livs Antwort abzuwarten, nahm sein Vater ihr das Kleeblatt aus der Hand. Er hielt es in die Luft und inspizierte es gegen das Sonnenlicht, das durch ein Oberfenster fiel. „Du hast das teure Ebenholz dafür genommen?“ „Ja“, erwiderte er knapp und spürte, wie sich seine Kehle wieder zuzog. „Und warum hast du dir keine Mühe gegeben?“ „Ich … Ich ...“, stammelte er schwach. In seinem Inneren aber loderte eine unbändige Wut wie ein heißes Eisen.


„Wenigstens für deine kleine Freundin hättest du dich anstrengen können!“, zischte sein Vater scharf.

 

Livs Blick ging zwischen den beiden Männern hin und her. Schließlich streckte sie die Hand nach dem Kleeblatt aus. „Ich würde es gern wiederhaben.“ Sein Vater schüttelte Kopf. „Tut mir leid. Dieser Betrieb besteht seit über fünfzig Jahren, und unsere Kunden sind höchste Qualität gewohnt. Dieser Schrott wird diese Halle nicht verlassen.“ Dann holte er aus und schleuderte das Kleeblatt durch die Halle.

 

Liv legte eine Hand auf den Oberarm ihres Freundes. „Es tut mir so leid“, sagte sie, „ich gehe jetzt besser.“

 

Er sah sie an, doch sie drehte sich weg und beeilte sich, die Stahltür zur erreichen. Nein!, schoss es wie ein Peitschenhieb durch seinen Kopf. Sein Blick traf auf den seines Vaters. Dessen Genugtuung war offensichtlich. Von einem Augenblick zum anderen war nur noch blanker Hass in ihm. Er griff nach dem kantigen Stuhlbein aus massivem Eichenholz, an dem er zuvor gearbeitet hatte.
„Lass das!“, hörte er Liv schreien, die sich noch mal umgewandt haben musste. Doch ihr Rufen kam zu spät!


Im nächsten Moment krachte das Holz mit voller Wucht gegen den Schädel seines Vaters. Blut schoss durch die Luft. Es war ein erlösendes Gefühl, und all die aufgestaute Wut in ihm brach sich Bahn. Das Blut spritzte bis zu Liv hinüber, die sich schreiend die roten Flecken von den nackten Unteramen und vom T-Shirt wischen wollte.

 

„Nein!“, hörte er sie noch einmal wie hinter einer Glaswand, doch da prallte das Holz schon wieder mit voller Wucht auf den splitternden Schädel seines Vaters.

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